Reifen & Räder

Reifen sind die Verbindung zwischen Fahrzeug und Straße, also absolut sicherheitsrelevante Teile. Umso verwunderlicher ist es, dass viele Straßenfahrer auf die Frage „welcher Luftdruck vom Hersteller für Ihr Motorrad angegeben ist“, nur mit den Achseln zucken. Auch wenn es nicht viel Aufwand ist, und wer macht es trotzdem schon gerne aber, man sollte es sich einfach angewöhnen, den Reifenluftdruck regelmäßig zu kontrollieren: „sicherheitsrelevant“.

Der Reifen ist auch als eine in reihengeschaltete Feder zu den Gabeln bzw. der Federbeinfeder zu betrachten, und in Verbindung mit dieser ergibt sich die sogenannte Ersatzfederkonstante, die über den Reifenluftdruck veränderbar ist. Also, mit dem Reifenluftdruck kann man das Fahrzeug auf das individuelle Fahrgefühl einstellen, das heißt, mit ca. 0,3 Bar mehr oder weniger härter oder weicher machen. Für längere Autobahnfahrten und Soziusbetrieb sollte man mit dem Luftdruck tendenziell an die Obergrenze gehen, und bei einem niedrigen Luftdruck sollte sich das Motorrad keinenfalls schwammig anfühlen, also der Reifen sollte immer ausreichend Seitenkräfte aufnehmen können. Aus Sicherheitsgründen sollten auch immer Ventilkappen verwendet werden.

Die Reifenwahl ist abhängig vom Einsatzzweck das Motorrades und den individuellen Vorzügen des Fahrers. Mit einem Wechsel auf einen anderen Reifenhersteller wechselt man in der Regel auch bauartbedingte Gegebenheiten, die einem mehr oder weniger zusagen. Ändern sich dabei auch die Reifendurchmesser, kann das eine Front- oder Heckhöhen-Änderung herbeiführen, somit eine Änderung der Fahrwerksgeometrie und dadurch auch der Fahreigenschaften. Der Reifen hat im wesentlichen 4 Parameter, die Einfluss auf die Fahreigenschaften haben:

●  Kontur (Höhen-zu Breitenverhältnis)
●  Eigendämpfung (bauartbedingt)
●  Federrate (bauartbedingt, aber über den Luftdruck veränderbar)
●  Grip (durch verschiedene Gummimischungen)

So groß der Einfluss der Reifen auf die Fahreigenschaften auch ist, kann der Reifen alle Fehlstellungen im Fahrwerk nicht kompensieren.

Die Reifendurchmesser haben aber nicht nur auf die Fahrwerksgeometrie erheblichen Einfluss, der Durchmesser des Hinterreifens hat auch Auswirkung auf die Antriebskraft (Umfangskräfte). Unter Umfangskräfte bezeichnet man die Antriebskraft, die Bremskraft und die Rollwiderstandkraft. Die Antriebskraft ist unterschiedlich bei unterschiedlichen Reifendurchmessern bzw. des Reifenhalbmessers, der wie ein Hebel wirkt. Um denselben Prozentsatz, wie sich der Reifenhalbmesser ändert, ändert sich auch die Antriebskraft. Desto größer der Reifendurchmesser bzw. der Reifenhalbmesser, desto kleiner die Antriebskraft. Die Reifendurchmesser variieren je nach Größe, Einsatzbereich und Hersteller, von Straßenreifen mit ca. 625mm bis Rennstreckenreifen mit ca. 658mm.

Durch die Masse des Rades (das Gewicht des Reifens, der Felge und der Bremsscheibe) und dessen Drehzahl werden die beim Fahren entstehenden Kreiselkräfte (gyroskopischer Effekt) bestimmt. Die Kreiselkräfte beeinflussen auch das Handling. Je geringer die Masse des Rades, desto leichter ist das Umlegen in Kurven und geringer das Aufstellmoment beim Bremsen. Gewichtseinsparungen beim Rad können durch eine leichtere Bauart der Reifen, der Bremsscheiben oder einer Leichtbaufelge erzielt werden. Ein leichteres Rad hat aber nicht nur Vorteile, denn es kann unter gewissen Umständen durch das geringere Massenträgheitsmoment des Vorderrades vom Lenkerpendeln bis zum Lenkerschlagen führen.

Die Qualität der Reifen verbessert sich stetig. Um dieses Potential ausnutzen zu können, ist es bei anspruchsvollen Straßenfahrern notwendig, den Reifenluftdruck auf die bevorstehende Straßenwahl, z.B. Autobahn oder Landstraße, einzustellen. Beim Rennsport ist die Einstellung noch spezifischer auf die Streckengegebenheiten, wie z.B. Asphalttemperatur, vorzunehmen.

Leichtbaufelge:001-Leichtbaufelge

Reifenquerschnitt:002-Reifenquerschnitt